Nach der Diagnose Brustkrebs steht die Welt erstmal still. Wenn dann die Behandlungen abgeschlossen und die Operation überstanden ist, steht man vor einer ganz anderen Herausforderung. Man muss sich Gedanken machen, wie man mit dem veränderten Körper leben möchte. Für mich kam in der ärztlichen Beratung nach einer Ablatio beidseits definitiv zu kurz, dass es auch eine Möglichkeit ist, von nun an brustlos durchs Leben zu gehen. Ich fand es ziemlich befremdlich, bereits vor der OP mit Rezepten ausgestattet im Sanitätshaus zu stehen und über die Auswahl der passenden Prothesen, Schwimmprothesen, BH’s und Bikinis entscheiden zu müssen. Es entsteht fast der Eindruck, dass man nur eine Frau sein kann, wenn man nach aussen zwei vermeintlich normale Busen vor sich her trägt. Und auch die Aussage, die Körbchen der Bikikis und BH’s sind extra gross geschnitten, damit man auch nicht das geringste Stückchen Narbe sieht verschärft den Eindruck.
Das anfängliche Gedankenkarusell…
Also begannen meine Überlegungen. Ich habe zwei kleine Kinder, zwei Mädchen. Und es stelle sich mir die Frage, was ich den Beiden vorleben möchte. Ich stellte mir vor, wie man das mit den Prothesen wohl im Alltag so macht. Zieht man sich die Busen gleich morgens an? Oder erst wenn man das Haus verlässt? Was ist am Wochenende, wenn man die Zeit nur mit der Familie Zuhause verbringt ? Was wäre dann, wenn unverhofft jemand klingelt? Würde ich die Prothesen für mich anziehen oder eigentlich nur für die Anderen?
Der Entschluss ist gefasst…
Ich war mir nun klar, dass ich keine Prothesen anziehen muss, um die Person zu sein, die ich nun mal bin. Ich fand die BH’s nicht schön, die Prothesen unbequem und kam mir sehr verkleidet damit vor. Ich konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, mich mit meiner Geschichte hinter den Prothesen zu verstecken. Ich habe mir die Krankheit nicht ausgesucht und ich kann auch nichts dafür, dass mir bei einer OP meine beiden Brüste abgenommen werden mussten. Wofür soll ich mich also verstecken ?
Keine Frage – der Anfang ist nicht leicht…
Natürlich hat man am Anfang das Gefühl, dass jeder nur auf den sehr flachen Oberköper schaut. Mir haben die Halstücher, die ich ohnehin wegen der Bestrahlung noch tragen musste um die Haut vor der Sonne zu schützen, sehr geholfen. Wenn ich einen schlechten Tag hatte, habe ich eines der größeren Halstücher genommen und fühlte mich damit sicher. An guten Tagen reichte auch ein ganz dünnes Tuch. So vergehen die Wochen, man probiert sich aus und lässt auch im Urlaub mal das Tuch weg um festzustellen: Es passiert GAR NICHTS!
